Die Sturmflut 1962
Als Norddeutschland in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 die schwerste Sturmflut in seiner bisherigen Geschichte erlebt, ist Helmut Schmidt erst seit einigen Wochen Polizeisenator (später Innensenator) der Freien und Hansestadt Hamburg. Gegen Mitternacht brechen die ersten Deiche entlang der Elbe. Die südlichen Stadtteile werden überschwemmt, mehrere Tausend Menschen befinden sich in Lebensgefahr. Viele von ihnen flüchten auf die Dächer ihrer Häuser.

Am schlimmsten trifft es die Elbinsel Wilhelmsburg, wo viele tiefgelegene Behelfshäuser stehen, die nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden waren. Helmut Schmidt nimmt schnell das Heft in die Hand und koordiniert die Rettungsmaßnahmen und 40.000 Rettungskräfte. Dazu zieht er auch die Bundeswehr und ausländisches Militär zur Hilfe heran – formal gesehen befindet er sich damit am Rande der Vorgaben durch das Grundgesetz. Dass es nicht mehr als 315 Todesopfer zu beklagen gibt, ist seinem umsichtigen Eingreifen zu verdanken. In Hamburg ist damit Schmidts Ruf als Entscheider und Krisenmanager gelegt.

Mehr Informationen zur großen Sturmflut gibt es auf der Internetseite der Freien und Hansestadt Hamburg: http://www.hamburg.de/sturmflut-1962/

Der
Senator Helmut Schmidt über die Hamburger Sturmflut in einem Ausschnitt aus dem Film „Spirit of Hamburg“: https://vimeo.com/145974907

 

Familie Schmidt aus Barmbek
Helmut Schmidt wird am 23. Dezember 1918 geboren und wächst in einem kleinbürgerlichen Haushalt im Hamburger Arbeiterstadtteil Barmbek auf, zunächst in der Richardstraße, später in der Schellingstraße. Anfang der 1920er arbeitet sich Vater Gustav im Abendstudium vom Rechtsanwaltsschreiber-Lehrling zum Studienrat an einer Handelsschule hoch und wird dort Schulleiter. Nachdem die Nazis 1933 die Macht übernehmen, wird er von dieser Position abgesetzt. Gustav Schmidt ist der uneheliche Sohn eines jüdischen Bankiers und einer Kellnerin – adoptiert wurde er von einem ungelernten Hafenarbeiter, der sein Leben lang nur mit Mühe lesen und schreiben kann, und seiner Ehefrau. Aus Angst vor den Konsequenzen durch die Nationalsozialisten verschleiert Gustav Schmidt seine jüdische Abstammung. Selbst innerhalb der Familie ist dies kaum Thema. Es mag heute erstaunen, wenn der SPD-Politiker Schmidt seine Eltern als bewusst apolitisch beschreibt, „selbst als ich Minister und später Kanzler geworden war, blieb die Politik außerhalb des Gesichtskreises meiner Eltern.“

 

Fast ein ganzes Leben lang zusammen: Helmut und Hannelore „Loki“ Schmidt
Im Jahr 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, heiraten Helmut Schmidt und Loki Glaser. Fast 70 Jahre ist das Ehepaar Schmidt verheiratet, bis Loki 2010 in Hamburg stirbt. Es ist eine Beziehung, die von vielen als vorbildlich wahrgenommen wird. In einem seiner letzten Bücher, Was ich noch sagen wollte, schreibt Helmut Schmidt über seine Frau: „Heute weiß ich, dass ich einen nicht unerheblichen Teil des öffentlichen Ansehens, das mir im Laufe der Zeit zugeflossen ist, Loki zu verdanken habe.“

 

„Loki“ aus Hammerbrook
Helmut Schmidts spätere Ehefrau Hannelore – damals noch Hannelore Glaser, genannt „Loki“ – erweckt in gewisser Weise sein soziales Gewissen: Sie wächst in sehr einfachen, ärmlichen Verhältnissen in Hamburg-Hammerbrook auf. Beim ersten Besuch in der Wohnung der Glasers – die fünfköpfige Familie lebt auf 28 Quadratmetern – empfindet der zehnjährige Helmut Schmidt ein so starkes Ungerechtigkeitsgefühl, dass es ihn für den Rest seines Lebens nicht mehr loslassen würde. Die beiden gehen in die gleiche Schulklasse auf der reformorientierten Lichtwarkschule in Hamburg-Winterhude. Ihren Spitznamen gibt sich die damals schon großgewachsene Hannelore – viele ihrer Mitschüler überragt sie um einen Kopf – übrigens als kleines Kind selbst.

 

Von der Spitze des Landes an die Spitze der ZEIT
Sein Wort wird nach dem Ende der Kanzlerschaft fast noch bedeutender: Nachdem Helmut Schmidt am 1. Oktober 1982 von Helmut Kohl (CDU) als Regierungschef abgelöst wird, wird der Bundeskanzler a.D. Mitherausgeber der Wochenzeitung DIE ZEIT. In den folgenden 30 Jahren wird er rund 300 Artikel für die Zeitung schreiben. Seine Stimme zu aktuellen finanz- und weltpolitischen Entwicklungen ist stets gefragt: Neben regelmäßigen Artikeln in der Zeitung schreibt Helmut Schmidt Dutzende Bücher, die meisten von ihnen werden Bestseller. Die Deutschen vertrauen auf den immensen Sachverstand des Elder Statesman, so wird er ein beliebter Interviewgast in Fernsehsendungen. Umfragen zufolge gilt Helmut Schmidt im hohen Alter als der beliebteste Politiker des Landes.