Leonid Breschnew: unter Karl Marx im Bücherregal
Besonders außergewöhnlich war der Besuch des sowjetischen Staatschefs Leonid Breschnew im Mai 1978 im Privathaus Helmut Schmidts. Der Bundeskanzler überredet Breschnew, von Köln/Bonn aus mit dem Bundeswehrjet Boeing 707 (anstelle der sowjetischen Iljuschin 62) nach Hamburg zu einem persönlichen Mittagessen zu fliegen. Gern erzählt Helmut Schmidt später diese Anekdoten: Angekommen in Langenhorn, kann der Generalsekretär der KPdSU kaum glauben, dass er sich in einer normalen Wohnsiedlung befindet, zu hoch erscheint ihm der Lebensstandard im Vergleich zur UdSSR. Auch, dass um Schmidts Haus keine hohen Mauern gezogen sind, überrascht ihn, schließlich wohnt doch hier der deutsche Regierungschef. Im Schmidt’schen Wohnzimmer sitzt Breschnew, wohl zufällig, ausgerechnet unter den gesammelten Werken von Marx und Engels auf der der Couch.

 

Das Königspaar im Doppelhaus am Neubergerweg
So mancher Gast war von zu Hause anderes gewohnt als das Doppelhaus in einer Wohnsiedlung am Neubergerweg, in dem Helmut und Loki Schmidt Staatsoberhäupter und sogar königlichen Besuch empfingen, zum Beispiel als das spanische Königspaar Anfang der 1980er auf Staatsbesuch in Deutschland ist. Nach einem Opernbesuch sitzen Helmut und Loki Schmidt noch einige Stunden im heimischen Wohnzimmer mit dem spanischen König Juan Carlos I. und Königin Sofia zusammen. Fans des Königspaares warteten bis etwa 2 Uhr nachts an der Straße, um endlich einmal das Königspaar zu treffen. Loki Schmidt erinnert sich später, dass Königin Sofia ihr zuflüsterte: „Die Damen sind sicherlich enttäuscht, dass ich keine Krone aufhabe.“

 

Musisch begabt – Helmut Schmidt und die Künste
Helmut Schmidt ist zeitlebens den Künsten, der Musik und der Malerei sehr zugetan. Als Jugendlicher hegt er den Wunsch, Architekt zu werden. Es kommt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs anders, als er sich vor allem aus finanziellen Gründen für ein (im Vergleich kürzeres) Studium der Volkswirtschaft entscheidet. Seit seinem 13. Lebensjahr schätzt er den Maler Emil Nolde, von dem später in seinem Langenhorner Haus auch einige Bilder an den Wänden hängen. Auch ins Bundeskanzleramt holt er eines seiner Werke („Seestück“). Fortan heißt das Kanzlerbüro nur noch das „Nolde-Zimmer.“

Als seinen Lieblingskomponisten nennt er Johann Sebastian Bach. Schmidt selbst spielt bis ins hohe Alter Klavier, trotz großer Einschränkungen aufgrund einer zunehmenden Schwerhörigkeit. In Interviews erzählt er, dass es ihm immerhin möglich ist, sich beim Notenlesen die Musik vorzustellen. Ausschlaggebend für sein großes Interesse an Kunst und Kultur ist, so erzählt Helmut Schmidt immer, seine Zeit auf der Lichtwarkschule in Hamburg-Winterhude.

 

Das Wohnhaus in Langehorn heute
Unter der Adresse in Langenhorn ist heute die Helmut und Loki Schmidt-Stiftung zu Hause. Ihre Aufgabe ist, neben der Erforschung des Lebens und Wirkens von Helmut und Loki Schmidt, die ehemaligen Wohnräume für die Nachwelt zu erhalten. In einem virtuellen Rundgang auf der Homepage der Stiftung kann man sich einen guten Eindruck über die Räumlichkeiten verschaffen.

www.helmut-und-loki-schmidt-stiftung.de