Gemeinsam mit Air Berlin, Condor, easyJet, Eurowings/Germanwings und Lufthansa hat Hamburg Airport im April 2016 die Pünktlichkeitsoffensive gestartet: Mit der „Gemeinsame[n] Erklärung zum Abbau von Verspätungen nach 23 Uhr am Hamburg Airport“ verpflichten sich Flughafen und Airlines, zum Schutz der Anwohner so selten wie möglich Gebrauch von der sogenannten Verspätungsregelung zu machen. Vertreter von Politik und Verwaltung – darunter die Hamburger Staatsräte Andreas Rieckhof von der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation und Wolfgang Michael Pollmann von der Behörde für Umwelt und Energie – nahmen an der Unterzeichnung teil und begrüßten das starke Bündnis für mehr Fluglärmschutz. Rund ein Jahr nach dem Start der Pünktlichkeitsoffensive stießen weitere Airlines hinzu: Im März 2017 unterzeichnete Air France/KLM und im April 2017 trat auch NIKI bei. Mit der freiwilligen Selbstverpflichtung ist der Luftfahrtstandort Hamburg bundesweit Vorreiter für die Zusammenarbeit von Flughafen und Airlines bei der Reduzierung von Verspätungen.

„Wir konzentrieren uns mit den Airline-Partnern darauf, die letzten Flugzeuge eines Tages, die bis 23 Uhr geplant sind, auch pünktlich in Hamburg starten oder landen zu lassen. Das ist von großer Bedeutung für die Anwohner in Hamburg und in Schleswig-Holstein“, erklärt Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung am Hamburg Airport. Die Betriebszeiten am Hamburger Flughafen sind täglich von 6 bis 23 Uhr, danach gibt es sehr strenge Nachtflugbeschränkungen. Verspätete Flugzeuge dürfen nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen bis 24 Uhr starten und landen. Bei einem hochkomplexen System wie dem Luftverkehr sind Verspätungen trotz professioneller Abläufe bei Airlines und Airports nie völlig auszuschließen. „Unser Ziel ist es daher, die Bevölkerung bestmöglich vor Fluglärm zu schützen – ohne dabei die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes zu gefährden“, so Eggenschwiler.

Dazu Staatsrat Andreas Rieckhof, Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation: „Wir begrüßen die Offensive des Flughafens und der Airlines sehr. Für die Akzeptanz des Luftverkehrs ist es unerlässlich, dass es nach 23 Uhr so wenig Verspätungen wie möglich gibt.“ Wolfgang Michael Pollmann, Staatsrat der Behörde für Umwelt und Energie, erklärt: „Wir sind uns bewusst, dass ein innerstädtischer Flughafen Lärmbelastungen mit sich bringt, wissen aber auch um die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens. Vor diesem Hintergrund ist es besonders wichtig, den Lärmschutz Schritt für Schritt zu verbessern. Dafür ist die Pünktlichkeitsoffensive ein wichtiger Erfolg. Jetzt geht es darum, Verspätungen nach 23 Uhr so weit wie irgend möglich zu vermeiden.“

Umstellungen im Flugplan für wirksamen Lärmschutz

Hamburg Airport und die zuständigen Behörden sind kontinuierlich mit den Fluggesellschaften im Gespräch, um diese weiter für die Verspätungsstituation nach 23 Uhr zu sensibilisieren. Mit der Unterzeichnung der Pünktlichkeitsoffensive verpflichten sich die Airlines, der Hamburger Fluglärmschutzbeauftragten detailliert die Gründe für die Verspätungen nach 23 Uhr unaufgefordert monatlich mitzuteilen. So können gezielt Gegenmaßnahmen erarbeitet werden, denn häufig entstehen diese Verspätungen auf nur wenigen Verbindungen. Damit verfolgen die beteiligten Luftfahrtunternehmen das Ziel, den Flugplan noch stabiler und verlässlicher zu gestalten und die Anzahl der Starts und Landungen in der Verspätungsstunde so gering wie möglich zu halten.

Auf diese Weise konnten bereits erste wirksame Maßnahmen umgesetzt werden: Fluggesellschaften haben zusätzliche Flugzeuge am Hamburg Airport stationiert, um späte Starts zu vermeiden oder Verspätungen aus der Tagesrotation abzufangen. Zudem haben Airlines Flüge, die häufig von der Verspätungsregel Gebrauch machen mussten, vorverlegt und Zeitpuffer in ihrer Planung berücksichtigt, um mögliche Verspätungen besser auffangen zu können. Neben der Überprüfung und gegebenenfalls einer Ausweitung der Reserven und Pufferzeiten räumen Flughafen und Airlines verspäteten Flügen eine höhere Priorität bei der Abfertigung ein.

Höhere Entgelte für verspätete Starts oder Landungen

Um die Verspätungen auf das unvermeidbare Maß zu begrenzen, setzt Hamburg Airport zusätzlich finanzielle Anreize: Bereits im Jahr 2001 hat der Flughafen ein Gebührensystem eingeführt, wonach die Airlines in den späten Abendstunden und der Nacht hohe Aufschläge auf die Lärmentgelte zahlen müssen. Diese Aufschläge hat Hamburg Airport zum 14. Juni 2017 noch einmal deutlich erhöht: Der Lärmzuschlag wurde in allen sieben Lärmklassen verdoppelt. Außerdem wurde der Zuschlag für verspätete Starts und Landungen ab 23 Uhr zeitlich gestaffelt und auf bis zu 700 Prozent angehoben. Bereits ab 22 Uhr müssen die Airlines einen Gebührenaufschlag von 150 Prozent bezahlen. Als zusätzliche Maßnahme ist vorgesehen, für den Einsatz lärmmindernder Wirbelgeneratoren einen Rabatt zu gewähren.

Mehr Passagiere pro Flug und eine bessere Auslastung der Flugzeuge

Im Jahr 2017 flogen mehr Fluggäste ab Hamburg als jemals zuvor: Insgesamt 17,6 Millionen Passagiere nutzten den Hamburger Flughafen – 8,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Einsatz von größeren, moderneren und effizienteren Maschinen am Hamburg Airport sowie eine stets steigende Auslastung der Flugzeuge führt dabei zu einer Entkopplung von Passagierzahlen und Flugbewegungen: Weil pro Flug immer mehr Fluggäste befördert werden, wächst die jährliche Anzahl der Flugbewegungen deutlich geringer als die Passagierzahl. Mit 160.110 Starts und Landungen lag die Anzahl der Flugbewegungen im Jahr 2016 unter dem Niveau des Jahres 2000. Damals flogen jedoch nur rund 10 Millionen Passagiere vom Hamburger Flughafen aus.

Die Unterzeichnenden der „Gemeinsamen Erklärung zum Abbau von Verspätungen nach 23 Uhr am Hamburg Airport“:

  • Air Berlin: Moritz Küppers, Vice President Airport Operations, und Sina Dietrich, Head of Airport Stations (April 2016)
  • Condor: Arne Kirchhoff, Director Commercial Airport Relations, und Christian Schmitt, Director Aircraft & Ground Operations (April 2016)
  • easyJet: Thomas Haagensen, Country Director Switzerland/Germany (April 2016)
  • Eurowings/Germanwings: Tjark Giller, Area Manager Hamburg & Bremen (April 2016)
  • Lufthansa: Jörg Neumann, Leiter Commercial Airport Relations (April 2016)
  • Hamburg Airport: Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung (April 2016)
  • Air France/KLM: Stefan Tolga Gumuseli, Deutschlandchef (März 2017)
  • NIKI: Oliver Lackmann, CEO (April 2017)

VIDEO: Stimmen zur Pünktlichkeitsoffensive

Lärmschutzmaßnahmen