Entwässerungssystem am Hamburger Flughafen

Entwässerungssystem am Hamburger Flughafen

Auf dem Flughafengelände kommt insgesamt eine befestigte Fläche von etwa 160 ha zusammen und dementsprechend groß ist die Menge des anfallenden Oberflächenwassers bei Regen. Der Oberflächenabfluss von den Flächen des Vorfeldes 1 wird über ein Schiebersystem in die Becken reguliert und je nach Konzentration von organisch gebundenem Kohlenstoff (Total Organic Carbon, TOC) entweder kontrolliert in die Vorflut Tarpenbek oder in die Kanalisation der Hamburger Stadtentwässerung geleitet. Dabei müssen die mit der entsprechenden Erlaubnis verbundenen Auflagen und Bedingungen eingehalten werden. Eine TOC-Anlage ermittelt ganzjährig alle 30 Minuten automatisch die Konzentration von Enteisungsmitteln und anderen organischen Stoffen im abfließenden Wasser. Bei einem TOC unter 30 mg l-1 wird das Wasser  hinsichtlich seiner Menge und der potentiellen Schadstoffgehalte kontrolliert über den Luftwerftgraben in die Vorflut eingeleitet und gelangt bei Überschreitung des Wertes in das städtische Abwassersiel zur Kläranlage „Köhlbrandhöft“. Um einen mengenmäßig kontrollierten Abfluss zu gewährleisten, gibt es insgesamt neun Regenklärbecken, in denen das Wasser bei Bedarf zwischengespeichert wird. Davon sind acht mit Sicherheitsabscheidern ausgestattet, die den Vorfluter vor organischen Belastungen schützen. Auf dem Flughafengelände sind zudem 26 Ölabscheideranlagen unterschiedlicher Größe installiert, die Verschmutzungen durch Öle und Treibstoffe zurückhalten.

Regenwassernutzanlage

Regenwassernutzanlage

In den WC-Anlagen des Terminal 1 ersetzt Regenwasser das Spülwasser der WC-Anlagen. Die Anlage besitzt ein Fassungsvermögen von 350 m³, um das vom Terminaldach abfließende Regenwasser zu sammeln. Sollte aufgrund von Trockenheit kein Regenwasser mehr vorhanden sein, sorgt eine nachgeschaltete Einspeisung von Trinkwasser dafür, dass die angeschlossenen sanitären Anlagen weiterhin zur Verfügung stehen.

Gewässer- und Bodenschutz

Auswirkungen des Flughafenbetriebes auf Wasser entstehen über unterschiedliche Wege. So betreibt der Flughafen eine Reihe von Anlagen, in denen mit wassergefährdenden Stoffen umgegangen wird. Dies kann ein gewisses Risiko für das Schutzgut Wasser beinhalten, beispielsweise für Grundwasser oder angrenzende Oberflächengewässer.

Bei den Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen handelt es sich überwiegend um Lager- bzw. Abfüllanlagen, u.a. für Kerosin, Enteisungsmittel oder Heizöl. Neben diesen Anlagen sind es auch Betriebsprozesse, die ein wassergefährdendes Potential besitzen – beispielsweise die Betankung von Flugzeugen oder deren Enteisung während der Wintermonate.

Enteisung von Flugzeugen

Enteisung von Flugzeugen

Enteisungen finden ausschließlich auf versiegelten Vorfeldflächen statt. Das abtropfende Flugzeug-Enteisungsmittel vermischt sich bei Niederschlag mit dem Oberflächenwasser und erhöht damit die Konzentration von organisch gebundenem Kohlenstoff, dem Total Organic Carbon (TOC), im Wasser. Dieses wird über Schlitzrinnen unterirdisch in Regenrückhaltebecken weitergeleitet, wo eine TOC-Messanlage den TOC kontinuierlich misst. Die Höhe des Wertes entscheidet folglich darüber, ob das Wasser in die Kläranlage geleitet wird oder in die Vorflut eingeleitet werden kann.

 

Wassermessprogramm und Planung des Baus eines Bodenfilters

Zur Aufnahme der Wasserqualität auf dem Flughafengelände wurde ein Wassermessprogramm aufgestellt. Das Messprogramm wurde ab November 2013 über ein Jahr lang an 14 Messpunkten durchgeführt und ab Juli 2014 zur Kontinuität und Eigenüberwachung weiterhin einmal wöchentlich fortgesetzt. Es werden dabei die Parameter CSB, TOC, elektrische Leitfähigkeit (LF), pH-Wert, Temperatur, Sauerstoffgehalt, Eisen (Fe2+ Fe3+, Feges) sowie absetzbare Stoffe (AS) untersucht.

Zudem plant die FHG den Bau einer Bodenfilteranlage, um die eingeleitete TOC-Fracht von < 30 mg/l noch weiter zu reduzieren. Seit Sommer 2015 werden Versuchsreihen zur Ermittlung wichtiger Rahmenparameter durchgeführt, wobei verschiedene Filtermaterialien und Mächtigkeiten untereinander verglichen werden, um die bestmögliche Reinigungsleistung zu erreichen. Die Ergebnisse liefern anschließend die Grundlage für den künftigen Filteraufbau.

 

Die Gewässerschutzbeauftragten Jan Eike Blohme-Hardegen und Carsten Neumeier werden ebenfalls vom Zentralbereich Umwelt gestellt und stehen Ihnen bei Fragen gerne zur Verfügung.

 

Kontakt



Jan Eike Blohme-Hardegen

Forschungsprojekte, Fluglärmtechnik, Gewässerschutzbeauftragter, Energie


Tel.: +49 (0)40 / 5075 - 2302

Fax: +49 (0)40 - 5075 - 1878

E-Mail: jhardegen@ham.airport.de

Carsten Neumeier

Fluglärmberechnung, Gewässerschutz, Gefahrgut- und Strahlenschutzbeauftragter


Tel.: +49 (0)40 / 5075 1420

E-Mail: cneumeier@ham.airport.de